SENSOMOTORISCHE KÖRPERTHERAPIE NACH DR. HELGA POHL

Die Sensomotorische Körpertherapie nach Dr. Helga Pohl (SMKT) ist eine körper (psycho-) therapeutische Methode zur Behandlung chronischer Beschwerden, für die sich kein organischer Befund erheben lässt. Der Schwerpunkt der Sensomotorischen Körpertherapie liegt auf der Behandlung von chronischen Schmerzzuständen, Funktionseinschränkungen und Missempfindungen. Gute Erfolge werden aber auch bei einer Reihe von psychischen Störungsbildern erzielt.

ZIELE

Die SMKT zielt auf das achtsame Wahrnehmen und Wiedererlernen von funktionalen Bewegungsmustern ab, die sich durch die sensomotorische Amnesie der Wahrnehmung bislang entzogen haben. Dadurch können Beschwerden effektiv gelindert werden.

Im Verlauf der Behandlung werden die verspannten Muskelgruppen und verklebten Faszien gelöst und betroffene Körperteile wieder in komplexe Bewegungsabläufe integriert. Dysfunktionale Alltagsgewohnheiten werden bewusst gemacht und aufgelöst, das Körperbewusstsein wird verbessert und ein achtsamer Umgang mit sich selbst erlernt.

SYMPTOMATISCHE UND GANZHEITLICHE BEHANDLUNG

Es werden nicht nur die Stellen am Körper behandelt, die akut Beschwerden machen, sondern es wird analysiert, wie die Beschwerden entstanden sind und wodurch sie aufrechterhalten werden. Häufig ziehen sich individuelle Spannungsmuster durch den ganzen Körper und werden deshalb auch im Ganzen behandelt.

HILFE ZUR SELBSTHILFE

Viele PatientInnen erfahren eine lang anhaltende Linderung ihrer Beschwerden, da der Erfolg der sensomotorischen Körpertherapie nicht auf einer passiven Behandlung beruht, sondern auf der aktiven Mitarbeit der PatientInnen. Darüber hinaus erkläre ich Ihnen von Anfang an die Zusammenhänge zwischen Ihren Beschwerden, deren Ursachen und den erforderlichen Therapieschritten  und bringe ich Ihnen konkrete Techniken und Übungen zur Selbstbehandlung bei, so dass Sie ihr „eigener Therapeut“ werden können.

TECHNIKEN UND METHODEN

Die SMKT verbindet Methoden, die von psychologisch- achtsamkeitsbasierten Techniken über die Schulung von Bewegungen bis hin zu direkter Arbeit am Körper reichen. Diese Methoden werden individuell auf den einzelnen Patienten und seine Beschwerden abgestimmt.

Bei den Techniken und Methoden handelt es sich konkret um:

Pandiculations nach Thomas Hanna

Pandiculations nach Thomas Hanna sind eine natürliche Biofeedback- Methode. Unterstützt durch sensomotorisches Feedback der Therapeutin lernt der/die PatientIn, chronisch angespannte Muskeln wieder wahrzunehmen, zu steuern und zu entspannen. Es wird geübt, einzelne Muskeln und funktionelle Muskelgruppen zunächst noch stärker anzuspannen um die Spannung dann dosiert, Stück für Stück zu reduzieren.

Pandiculations sind keine reinen Muskelübungen. Der eigentliche Lernprozess findet in den sensomotorischen Zentren des Gehirns statt, weshalb die Übungen ein hohes Maß an Konzentration und Achtsamkeit verlangen und zu Beginn der Therapie oft als geistig anstrengend empfunden werden.

Aktive Triggerpunktbehandlung/ Faszienbehandlung

Wenn die sensomotorische Steuerung bestimmter Muskelgruppen mittels Pandiculations anfangs zu anstrengend ist oder nicht zu den gewünschten Erfolgen führt, liegt das meist daran, dass sich in den Muskeln chronisch verspannte Knötchen, sogenannte myofasziale Triggerpunkte befinden. Diese schmerzhaften, harten Stellen in den Muskeln, über denen die Faszien meist verklebt und verkürzt sind, behindern das sensomotorische Lernen.

In solchen Fällen wird zunächst mit einer speziellen Technik punktuell an den Oberflächenfaszien (Bindegewebe) gearbeitet. Dann wird eine aktive Triggerpunktbehandlung durchgeführt. Die Therapeutin übt hier punktuell Druck auf die verspannten Stellen aus, während der/die PatientIn, unterstützt durch sensomotorisches Feedback der Therapeutin, die betroffenen Muskeln gezielt bewegt.

Sensomotorische Übungen

Sensomotorische Übungen („Hanna Somatics“ und ihre Weiterentwicklungen nach Dr. Pohl) sind sanfte Übungen, die die PatientInnen selbstständig durchführen können. Sie werden achtsam, langsam und meist im Liegen durchgeführt. Das Prinzip ähnelt den Pandiculations: In komplexen Bewegungsabläufen werden funktionale Muskelgruppen noch etwas stärker angespannt, um die Anspannung dann behutsam zu reduzieren. Regelmäßig praktiziert verstärken sensomotorischen Übungen das Körperbewusstsein, führen zu einer innerlichen Entschleunigung und zur Entspannung von Geist und Körper. Die Beweglichkeit verbessert sich und verkrampfte Muskelgruppen fühlen sich weicher und lockerer an.

Körperbewusstseinstraining

Das Körperbewusstseinstraining ist wichtiger Bestandteil jeder Behandlungsstunde. Hier lernen die PatientInnen zunächst, ihren Körper und seine Beschwerden zu begreifen. Sie beginnen, Unterschiede zwischen An- und Entspannung wieder wahrzunehmen. Sie lernen, welche Bewegungen oder Haltungen ihre Spannungsmuster verursachen oder verstärken. Sie erkennen, welche Bewegungen ihnen gut tun. Sie lernen wieder, dass sie sich nicht ständig anstrengen müssen, sondern Bewegungen leicht und sogar mühelos ausgeführt werden können.

Achtsamkeitsschulung und psychotherapeutische Elemente

Als Psychologische Psychotherapeutin ergänze ich hier die Achtsamkeitsschulung der sensomotorische Körpertherapie um moderne psychotherapeutische Elemente, z.B. aus der kognitiven Verhaltenstherapie, der Dialektisch behavioralen Therapie (DBT), der Schematherapie oder der Mindfulness Based Stress Reduction (MBSR).

Durch Experimentieren mit Bewegungen und Haltungen erspüren die PatientInnen, wie körperliche Spannungsmuster ihre Gedanken und Gefühle beeinflussen. Andersherum wird untersucht, wie sich bestimmte Gedanken, Glaubenssätze, Zustände und Gefühle auf den Körper auswirken.Manchmal zeichnet sich dabei ab, dass die körperlichen Beschwerden durch immer wiederkehrende Gedanken oder Gefühlszustände hervorgerufen und aufrechterhalten werden.

In diesen Fällen können psychotherapeutische Einheiten eingeschoben werden, in denen negative Gedanken bearbeitet und Strategien im Umgang mit starken Gefühlszuständen erlernt werden.